Zeig Dich – Cannabis Kampagne

Vor einiger Zeit enthielt diese Webseite die Kampagne „Zeig Dich!“ 100.000 Selbstbezichtigungen für die Legalisierung von Cannabis. Leider ist diese Kampagne vor einigen Jahren mit etwa 14.000 Unterschriften eingeschlafen.

Dabei wäre diese Kampagne jetzt angebrachter, als jemals zuvor!

Erst vor kurzem sind mehr als Hälfte aller Deutschen Strafrechtsprofessoren mit einer Resolution an den Bundestag getreten, die bisher fehlgeschlagene Drogenpolitik zu ändern. Wir Konsumenten sind also mit den Strafrechtsprofessoren in „guter Gesellschaft“.

grow! Interview mit Prof. Dr. Böllinger

[..] Grow! In der Tat. Obwohl die Drogengesetze und die Strafandrohungen in den letzten 40 Jahren immer strenger geworden sind, gab es nie so viele Drogen wie heute, und das bei stark gestiegenen Preisen. Dabei ist die Verfügbarkeit von Drogen ebenfalls besser als früher – allen Gesetzen zum Trotz.

An harte Drogen wie Kokain oder Heroin ist ja ohne Probleme ranzukommen. Wir wurden erst eben, kurz vor dem Interview, von einem entsprechenden Dealer angesprochen.

Prof. Böllinger: Hier im Viertel?

Grow! Bei Ihnen vor der Tür.

Prof. Böllinger: Das ist hier eigentlich ein gutbürgerliches Viertel, aber es verjüngt sich zusehends. Ich weiß von drei sehr angesehenen Menschen in dieser Straße, die Cannabis konsumieren – heimlich natürlich.

Grow! Ja, man muss es wohl heimlich machen, um keine Probleme zu bekommen. Und das ist der Grund, warum sich die Basisbewegung so schwer tut. Denn der erste, der sich öffentlich zum Kiffen bekennt, ist auch der erste, der fertiggemacht wird und womöglich seine Existenz verliert.

Prof. Böllinger: Beim »Schildower Kreis« hatten wir schon mal darüber nachgedacht, etwas entsprechend der Kampagne, wie sie in den siebziger Jahren gegen das Abtreibungsverbot lief, zu machen. Damals hatten sich Menschen offen dazu bekannt, dass sie abgetrieben haben, wodurch schließlich das Verbot gekippt werden konnte.

Grow! So eine ähnliche Kampagne hatten wir vor über zehn Jahren ins Leben gerufen. Damals hatten wir ein Interview mit dem Richter Werner Sack geführt, bei dem er sich sehr verwundert zeigte, warum sich die Kiffer nicht gegen ihre Diskriminierung wehren. Als möglichen Weg hatte er vorgeschlagen, rund 10.000 »Selbstbezichtigungen« zu sammeln, in denen sich Cannabisgebraucher zu ihrem Konsum bekennen. Daraus entstand die »Zeig Dich!«-Aktion.

Die gesammelten „Selbstbezichtigungen“ sollten dann kurz vor der Bundestagswahl 1998 medienwirksam dem Justizminister übergeben werden. Ziel war es zu zeigen, dass es nicht eine kleine Minderheit ist, die mit ihrem Verhalten gegen das Gesetz verstößt, sondern eine große Menge von Menschen. Und die hätte nicht so ohne weiteres verfolgt werden können, was – so war die Hoffnung – eine Gesetzesänderung bewirkt hätte.

Prof. Böllinger: Wie ist die Sache gelaufen?

Grow! Wir hatten etwa ein halbes Jahr Zeit, um die 10.000 »Selbstbezichtigungen« zu sammeln. Leider kamen in der Zeit aber nur gut 3.000 zusammen. Und das war zu wenig, um das bewirken zu können, was angedacht war.

Wir haben die Aktion aber einige Jahre weiterlaufen lassen, und irgendwann waren es auch über 20.000 Selbstbezichtigungen, die in einem Frankfurter Anwaltsbüro für uns gesammelt wurden. Zwischendurch – um den Bedenken Rechnung zu tragen, dass 10.000 eventuell nicht genug sein könnten, wurde die Mindestanzahl auf 100.000 Selbstbezichtigungen erhöht. Aber soweit ich weiß, ist diese Zahl noch nicht erreicht.

Prof. Böllinger: Ich finde das Projekt interessant und denke, man sollte da unbedingt dranbleiben.

Grow! Vor einigen Jahren haben wir die Werbung dafür eingestellt, weil überhaupt nicht klar war, was daraus werden würde. Aber vielleicht lässt sich die Aktion reaktivieren.

Prof. Böllinger: Das würde ich sehr befürworten. Wenn es gelingen würde, 100.000 Menschen zu finden, die sich auf diese Weise zum Cannabiskonsum bekennen, und gleichzeitig soziologische Studien befügt, die zeigen, dass es rund 6 Millionen regelmäßiger Cannabiskonsumenten in Deutschland gibt, dann wäre das schon ein sehr gewichtiger Faktor. Der könnte dann vom Gesetzgeber nicht so einfach ignoriert werden. Ein Verhalten, das so universell und normal geworden ist, kann nicht bestraft werden.

Grow! Ok, dann werden wir wohl ab der nächsten Ausgabe die „Zeig Dich!“-Aktion wieder aufleben lassen. Hoffentlich geht es diesmal schneller, die 100.000 »Selbstbezichtigungen« zu sammeln. Wenn das der im Moment erfolgversprechendste Weg ist, dann sollten wir es auf jeden Fall versuchen. [..]

Quellensammlung

Wir werden demonstrieren, daß der Konsum von Cannabis ein Massenphänomen ist und daher wollen entsprechend viele Bürger, daß sich die Rechtslage ändert! Wenn ein Verhalten so gering gefährlich ist und von so vielen Leuten gemacht wird, dann verliert die Waffe des Strafrechts ihre Berechtigung!

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